AGB`s | Kontakt | Impressum
zurück
 ]









Reiseberichte

Den Jahreswechsel unter freiem Himmel verbringen

Seit Jahren feierten wir (Rosmarie, Ruth, Samuel und Peter) zu viert auf verschiedene Art und Weise Sylvester: Einmal besuchten wir ein Theater, ein anderes Mal eine Oper, ein Jahr später ein Konzert und einmal war ein Spielabend angesagt. Letztes Jahr hatte Ruth die Idee, wir könnten die Sylvesternacht 2007/08 unter freiem Sternenhimmel in der Sahara verbringen. Sie kenne eine gute Frau, die uns auf einer individuellen Reise mit Beduinen und Dromedaren begleiten würde. … Die Entscheidung war schnell getroffen.
Am 26. Dezember 2007 setzten wir uns ins Flugzeug und landeten am frühen Nachmittag in Djerba. Dort empfingen uns auf dem Flughaben Gina, die Reisebegleiterin und Mohammed, der „Chef-Beduine“ und Koch des Trekkings …

Statt ein Tagebuch zu schreiben möchten wir ein paar Fragen beantworten, die sich uns vor der Reise gestellt haben, und die wir nun beantworten können:

Wie ist das Wetter um die Jahreswende? Ist der Zeitpunkt günstig?
Am Ankunftstag in der Wüste war es bewölkt, und am Abend hat es geregnet. Unsere drei Beduinen Mohamed, Beldasem und … liessen sich durch den intensiven, feinen Regen nicht aus der Ruhe bringen, sondern „zauberten“ einen grossen Plastik hervor und improvisierten eine Küche im Freien mit Sitzmöglichkeiten für alle unter dem schützenden Dach hinter ein paar Sträucher. Der erste Abend war zwar kühl, aber das feine Essen hat alles kompensiert. Wir hatten viel zu fragen und zu erzählen und schlüpften halt früh in unseren Schlafsack. In der ersten Nacht hat es geregnet, aber in den folgenden Tagen und Nächten war es dann glücklicherweise trocken. Am Tag hatten wunderbares Wanderwetter, nicht heiss, aber angenehme Temperaturen. Die Abende waren dann bedeutend kühler. Eingewickelt in Decken in der Nähe des Feuers war es trotzdem sehr gemütlich.

Bekommt man in einer Woche einen Eindruck vom Leben der Beduinen?
Ja, wir erhielten in unserer kleinen Gruppe verschiedene Einblicke in das Leben der „Wüstenmenschen“. Beispielsweise wurden wir am ersten Tag in Sabria von Mohammed und seiner Familie zu einem wunderbaren Mittagessen eingeladen. Wir erhielten einen Eindruck, wie Mohamed mit seiner Frau und seinen Kindern in einem einfachen, aber gepflegten Haus leben. Das feine Eintopfgericht, serviert auf einer grossen Schale, am Boden essend, schmeckte lecker.
Mohammed spricht gut französisch, seine beiden liebenswürdigen Dromedarführer nicht. Ihre Körpersprache, ihre Gestik und Mimik sagten aber oft mehr als tausend Worte. Der Kontakt mit den drei Männern war von Anfang an respektvoll und herzlich. Die drei Beduinen haben uns gezeigt, was Teamwork heisst, wie man mit einfachsten Mitteln innert Kürze ein Zelt aufstellt, eine Kochstelle einrichtet, den fünf Dromedaren schaut, mit wenig Wasser kocht und Geschirr abwäscht …

Sind die Tage und Abende nicht etwas langweilig?
Nein, im Gegenteil! Am Tag gibt es immer etwas zu tun, zu sehen und zu erleben: Wandern, essen, nichts tun, fotografieren, lesen, meditieren, diskutieren … Die Abende am Lagerfeuer waren besonders schön: Es war einerseits spannend, Mohammed zuzuschauen, wie er das Nachtessen zubereitete. Andererseits war es sehr interessant, wie Beld … und … täglich frisches Fladenbrot im Wüstensand buken. Das Essen war einfach, schmeckte aber grossartig. Dass wir unter dem Sternenhimmel auch musikalisch unterhalten wurden, hat uns überrascht und zauberte jeweils eine besondere Lagerfeuerstimmung herbei.

Ist der Sternenhimmel so schön, wie man sich das vorstellt?
Ja, noch viel schöner! Allein die Ruhe und der glasklare Sternenhimmel (ohne Lichtverschmutzung) waren die Reise wert. Die Seele baumelt, die Phantasie entfaltet sich, philosophische Gedanken wachsen … Das ist reinste Erholung!

Wie anstrengend sind die Wanderungen?
Die Tagesmärsche waren für uns alle gut zu bewältigen, natürlich auch deshalb, weil die Dromedare unser Gepäck trugen. Für uns war das Wandern eine schöne Art, die unterschiedlichen Facetten der Sahara kennen zu lernen. Die Dromedare gaben das Tempo an. Mohammed und Gina liessen uns das Wandertempo und die Anzahl Pausen mitbestimmen. An einem Tag hatten wir sogar die Möglichkeit, auf einem Dromedar zu reiten - ein spezielles Erlebnis.

Wir können das Wüstenerlebnis allen Naturliebhaber/innen bestens empfehlen!
Autor: Claudia Poser-Ben Kahla

In der Sahara die Seele baumeln lassen ...

„die Wüste reinigt Seele und Geist. Ihre Wahrheit offenbart sich in der Stille“. (nomadisches Sprichwort)

Bereits zum x.- Mal begab sich Gina Maeder aus Schinznach-Dorf per Pedes in die Wüste.

„Abseits von Touristenströmen bin ich in Tunesien mit Beduinen und Dromedaren durch die Sahara marschiert und habe meine Seele baumeln lassen. Ein Natur- und Gefühlserlebnis pur in einmaliger Landschaft, mit Menschen, die in dieser kargen Umgebung leben und arbeiten“, schildert Gina Maeder mit Begeisterung ihre Erlebnisse in der Wüste und in einem Beduinendorf, wo sie während einer Woche unter einem Dach mit einer achtköpfigen Beduinenfamilie lebte.

Die Reise geht über hohe Dünen und flache Steppen. Ohne Termine und Hast, ohne Raum- und Zeitbegriff wird das Nomadenleben erspürt und werden Abende am Lagerfeuer und Nächte unter den Millionen Sternen am Himmel über der Sahara verbracht. Der Blick in den Sternenhimmel lässt die Gedanken fliegen...

Gina Maeder berichtet: „Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein Grossteil der Reisekosten von den Agenturen vor Ort behalten werden und die Beduinen nur einen kleinen Verdienst erhalten. Mein Ziel ist es jedoch, durch meine direkten Kontakte und meine eigene Organisation der Reise, den Beduinen einen höheren Verdienst und dadurch bessere Lebensumstände zu ermöglichen. Deshalb möchte ich Menschen motivieren, sich der Sahara und ihren Reizen zu öffnen und organisiere selber kleine Gruppen, die mit mir und den Beduinen diese Art Wüsten-Trekking mitmachen“.

Mit dieser wunderbaren Idee wendet sich Gina Maeder an die Menschen und bietet so sowohl den Reisenden, als auch den Begleitern einmalige Chancen. Die Einen erfahren eindrückliche, tiefgreifende Erlebnisse, die Anderen erhalten mehr Lebensqualität.

Autor: Claudia Poser-Ben Kahla

Bericht über das SOS – Kinderdorf Siliana

An diesem Samstagmorgen sind wir alle schon sehr früh aufgestanden, um die Sachen für das SOS- Kinderdorf Siliana einzupacken. In der großen blauen UNICEF - Tasche verstauten wir Duschbad, Kreide, Malstifte, Malkoffer, Springseile, T-Shirts und natürlich eine Menge Bonbontüten, Aufkleber und Sticker. Gut ausgerüstet begaben wir und also auf den Weg in das Kinderdorf. Strahlendblauer Himmel, angenehme Temperaturen von ca.38°C im Schatten und kein Wölkchen am Himmel ...

Nach einer ca. 3-stündigen Autofahrt erreichten wir das Kinderdorf. Wir mussten nicht einmal lange suchen, orientiert an dem großen Getreidesilo, fanden wir die weißen Gebäude mit dem Kinderdorfsymbol sofort. Nur noch das Auto abgestellt, die Tasche geschnappt und schon ging es los. Auf dem großen Hof am Eingang schauten wir und kurz um, ob wir vielleicht jemanden finden, dem wir erklären könnten, wer wir sind und was wir wollen?

Ein Mann kam aus einem Büroartigen Gebäude und schon ergriffen wir unsere Chance und sprachen ihn an. Natürlich sprach er kein Englisch und so wuchs in uns allmählich die Verzweiflung heran. Was ist, wenn wir nun niemanden finden, mit dem wir Englisch sprechen können? Aber bevor wir den Gedanken erst richtig zu Ende denken konnten, kam schon ein weiterer Mann aus dem Gebäude heraus, der und in einen einigermaßen verständlichen Englisch begrüßte und nach unserem Anliegen fragte. Die Verzweiflung wich nun der Erleichterung. Schnell versuchten wir diesem Mann zu erklären, dass wir aus Deutschland kämen und bei UNICEF arbeiten. Wir wollten dieses SOS- Kinderdorf besuchen, um zu erfahren was die Kinder brauchen und um die Kinder kennen zulernen, ihnen eine Freude zu machen. Der Mann führte uns nach unseren Ausführungen in das Büro des Kinderdorfes. Dort saßen wieder zwei Männer, beide in wunderschöne Kaftane gekleidet, der eine telefonierte gerade angeregt und der andere saß leicht gebeugt über verschiedensten Papieren. Neben uns lief ein kleiner Junge mit einer großen Brille auf der Nase ins Büro und schaute immer mal neugierig zu uns, ohne aber sein Vorhaben, zu dem telefonierenden Mann zu gelangen, außer Acht zu lassen. Wir setzten uns auf die angenehmen Sitzgelegenheiten und warteten einige Minuten ab, ehe wir der vollen Aufmerksamkeit der beiden Männer zuteil wurden. Schnell erklärte der Mann vom Eingang, der ein wenig Englisch sprechen konnte, unser Anliegen. Die beiden Männer im Büro waren sogleich sehr freundlich und aufgeschlossen. Sie sagten, dass sie sich immer über Besucher freuen würden. Wir wollten nun eigentlich gleich loslegen und die Kinder besuchen. Leider verabschiedete sich der einzige englisch- sprechende Mann auch schon bei uns und wir wurden wieder unruhig. Da betrat eine junge Frau den Raum. Die Psychologin des Dorfes. Sie begrüßte uns herzlich mit einen arabischen a-slama, einer Umarmung und ein paar netten englischen Worten. Weiterhin betrat noch ein Mann mittleren Alters das Zimmer. Er begrüßte uns nicht weniger herzlich aber dafür in einem ausgezeichneten Englisch. Wie sich später herausstellten war dieser Mann früher Englischlehrer gewesen. Beide begleiteten uns nun auf unserem Rundgang durch das Kinderdorf.
Das SOS- Kinderdorf Siliana wurde 1984 von dem damaligen Präsidenten gegründet.
Die Provinzstadt Siliana liegt etwa 150 km südlich von Tunis und hat ca. 20.000 Einwohner. Das Kinderdorf ist ca. 2 ha groß und hat 11 Familienhäuser. In einer Familie gibt es eine Mutter und ca.8 Kinder. In der ersten Familie, die wir besuchten, waren 7 Kinder. Die Kinder waren zwischen 3 und 8 Jahren alt. Die größeren gaben uns freundlich die Hand und die kleinen wuselten schon um die Luftballons und Süßigkeiten herum. Ein großes Durcheinander entstand, als ich damit begann die Tattoos auf die kleinen Oberarme der Kinder zu kleben. Jeder wollte eins und alle wollten es gleichzeitig. Die großen ausdrucksstarken Augen der Kinder, als sie das Bild auf ihren Armen erblickten, dabei noch an ihrem Bonbon im Mund lutschten und aufgeregte Laute auf arabisch ausriefen, werde ich wohl niemals vergessen. Ein paar Minuten verbrachten wir noch bei den Kindern, aber dann mussten wir schon aufbrechen. Vor uns lagen noch 10 weitere Familienhäuser. Die Geschichten der Kinder sind sehr unterschiedlich. Aber bei allen entschied der Staat das sie bei ihren Familien nicht weiter leben können. Die meisten Kinder aber haben noch eine richtige Familie. Armut und andere soziale Differenzen machten es ihnen aber unmöglich weiterhin bei ihrer Familie zu leben. In dem Dorf gibt es keine Kinder, die unter Misshandlungen leiden. Der Direktor, der Mann der anfänglich im Büro telefonierte, erklärte uns, dass die Kinder hier glücklich seien. Sie wollen auch gar nicht mehr nach Hause zurück. Ihre Liebe zu der Dorfgemeinschaft geht sogar so weit, dass sie , wenn sie längst erwachsen sind und ihre eigene Familie haben, immer wieder hier her kommen, um mit den Müttern zu reden, den Kindern zu spielen oder ein paar Präsente mitzubringen.
In dem Kinderdorf gibt es 11 Mütter, 3 Psychologen, 4 Ausbilder und 4 Tanten. Die Tanten haben unterschiedliche Aufgaben. Mal helfen sie den Müttern bei der Hausarbeit, kümmern sich um die ganz kleinen Kinder, damit die Mütter ihre Aufgaben erledigen können oder springen für die Mütter ein, wenn diese einmal Urlaub machen wollen. Und dies ist in der Sommerzeit oft der Fall. Im Sommer werden immer verschiedenste Ausflüge mit den Kindern gemacht. Dann fährt ein Bus mit den Müttern bzw. den Tanten ans Meer oder in Museen. Der Sommer gestaltet sich also für die Kinder sehr abwechslungsreich und Langeweile hat gar keinen Platz.
Der auf dem Gelände des Dorfes angelegte Kindergarten betreut ca. 100 Kinder. Davon kommen 80 Kinder von Außerhalb und 20 aus den Kinderdorffamilien. Die Integration von den Kindern aus der Umgebung und den Kindern aus dem Dorf ist sehr wichtig, damit gar nicht erst Ausgrenzungen entstehen und die Kinderdorfkinder ein möglichst normales Leben führen können. Für die 100 Kinder in dem Kindergarten stehen 6 Erzieher zur Verfügung. Der Kindergarten wird für Kinder im Alter von 3-5 Jahren besucht. Mit 6 Jahren kommen die Kinder in die Schule. Die ganz Kleinen (1-2 Jahre) bleiben den ganzen Tag bei der Kinderdorfmutter zu Hause. Dort verrichtet die Mutter die üblichen „Mütterlichen Pflichten“. Aufräumen, Essen kochen, Einkaufen gehen und die Kinderhütung für die ganz Kleinen. 11.30 Uhr verlassen die Kinderdorfkinder den Kindergarten, um zu Hause Mittag zu essen. Danach geht es wieder bis in den späten Nachmittag in den Kindergarten zurück.
Vor dem 9. Familienhaus, welches nun an der Reihe war besucht zu werden, befanden sich vor der Eingangstür auf einem ausgebreiteten Laken lauter kleine gelbliche Kullern. Etwa die Größe von Reiskörnern. Neugierig schauten wir auf diese fremdartigen Kügelchen und überlegten was das wohl sei. Die Unwissenheit darüber musste man uns wohl ansehen, denn sogleich wurden wir mit Erklärungen überhäuft. Diese Kullern nennt man Mhamsa. Das hat den Status in Tunesien, wie Spagetti in Italien. Mhamsa lag also nun auf dem großen Tuch, um zum Verzehr vorbereitet zu werden.
Im Haus Nummer 9 lebten 7 Kinder. Wieder wurden wir mit kindlicher Neugier überfallen. Die Bonbons waren wieder der Hit. Die Luftballons wurden aber genauso freudig entgegengenommen, wie in den 8 Häusern davor. In dieser Familie gab es allerdings eine Besonderheit. Die Mutter Manoubia ist seit 18 Jahren als Kinderdorfmutter aktiv. Sie gilt als Pionier des Dorfes. Manoubia war einmal verheiratet und hatte aus dieser Ehe 2 Kinder, die auch mit den Kinderdorfkindern zusammen lebten. Mittlerweile ist sie geschieden und ihre 2 Kinder sind aus dem Haus und alt genug ihr eigenes Leben zu führen. Manoubia geht ganz in der Arbeit mit den Kindern auf. Das sieht man an dem Umgang mit ihnen. Sie ist eine erfahrene Frau und liebt all ihre Kinder.
Erst jetzt fiel mir auf, dass wir die ganze Zeit von einem Mädchen mit roten Shirt begleitet wurden. Sie war immer mit dabei. Die Psychologin erklärte uns, dass dieses Mädchen schon ihr ganzes Leben hier verbracht hat. Mittlerweile ist sie 16 Jahre alt und hat ihren eigenen Traum vom Leben. Sie bäckt für ihr Leben gern und möchte später einmal ihre eigene Bäckerei haben. Doch leider stehen ihr momentan noch nicht genügend Mittel dafür zur Verfügung. Es fehlt an vielem.
Die Mütter brauchen dringend Geschirr und Besteck für die Küche. Sie kochen ja schließlich jeden Tag für 9 Personen. Da geht schon mal ein Teller zu Bruch. Für die Babys wird spezielles Geschirr, zum Trinken und Essen lernen, gebraucht. Natürlich wollen Kinder spielen. Kinder müssen spielen, um sich zu entwickeln, um zu lernen. Doch leider fehlt es an Spielzeug. Puppen, Teddybären und Spielzeugautos sind Mangelwahre. Aber auch an den Pädagogischen Lernspielen fehlt es. Und diese sind die Voraussetzung für einen optimalen Start im Kindergarten und der Schule. Siliana ist bekannt für seine sportlichen Aktivitäten. Die Mädchenfußballmannschaft hat schon mehrere Medaillen errungen. Auch der Nachwuchs ist Sportbegeistert. Die Jungen lieben Karate genauso wie alle möglichen Ballspiele. Leider fehlt es auch hier wieder an Sportgeräten und Sportbekleidung. Auch im künstlerischen Bereich haben die Kinder schon mehrere Siege bei Kunstwettbeweben erreicht. Stifte, Malfarben und Papier werden hierfür immer dringend benötigt.
Es ist ein komisches Gefühl für mich das Kinderdorf zu verlassen. Ich habe viele Kindergesichter gesehen, in viele strahlende Augen geschaut und die Herzlichkeit der Mütter kennen gelernt. In meinem ganzen bisherigen Leben habe ich noch nie gesehen wie sehr sich Kinder über eine so kleine Sache, wie einen Lutscher oder ein Luftballon freuen könne, wie lange diese Freude anhielt und wie laut das Lachen noch in meinen Ohren klang. Diese Kinder sind alle glücklich. Sie werden geliebt und sie lernen in einer Gemeinschaft zu leben. Alle haben sie noch ihr ganzes Leben vor sich und alle haben sie schon eine Geschichte hinter sich. Es fehlt ihnen an vielem, doch ganz sicher nicht an einem: Der Liebe und der Zuneigung, der sie, bevor sie in das Dorf kamen, nicht zuteil wurden.

Autor: Claudia Poser-Ben Kahla 07.08.2004

Reisebericht von Marie

An einem ganz normalen Frühlingstag saß ich im UNICEF – Büro Gera und arbeitete irgendwelche Listen mit Claudia Poser-Ben Kahla und Sandy P. durch. Wir unterhielten uns über so viele verschiedene Dinge und kamen schließlich auf die Sommerferien zu sprechen. Bei mir stand dieses Jahr nichts weiter an. Ich wollte meine Ferien dazu nutzen, mich auf die 11. Klasse vorzubereiten. Claudia und Sandy erzählten, dass sie diesen Sommer gemeinsam nach Tunesien fliegen wollten und das noch ein Platz frei sei. Aus Spaß fragte ich nach den Kosten und der Dauer. Der Flugpreis bei den ganzen Ausführungen war der Preisintensivste Teil der Reise. Langsam gewann ich immer mehr Interesse an der Reise. Das Geld hierfür hatte ich in jedem Fall. Und der Zeitraum war auch günstig, weil es genau in der letzten Ferienzeit lag. Jetzt galt es nur noch meine Mama und meinen Papa zu überreden. Gesagt getan. Am nächsten Tag schleifte ich meine Mutti zu Claudia ins Büro und lies die beiden die ganzen Formalitäten besprechen. Erst jetzt wurde mir bewusst, wohin wir eigentlich fliegen wollten. Tunesien. Was ist das eigentlich für ein Land? Schnell den Atlas aufgeschlagen und geschaut. Nordafrika und das Mittelmeer. Hört sich interessant an. Nach Afrika wollte ich schon immer und im Mittelmeer habe ich auch noch nie gebadet. Wieder stieg die Freude über mein Urlaubsziel. Ein weiterer Blick in den Atlas geworfen und entdeckt. Tunesien liegt genau zwischen Algerien und Libyen. Sind das nicht Länder, wo ständig Terror und Unruhen herrschen? Ich war durcheinander und stellte fest, dass ich eigentlich gar nichts über Nordafrika wusste. Und schon gar nicht über Tunesien. Ich holte mir also verschiedenste Bücher aus der Bibliothek nach Hause, um wenigstens einen kleinen Eindruck zu gewinnen. Ich schaute auch auf die Internetseite tunesien.com und fand viele interessante Infos zu Land, Leuten und der Religion. Mich interessierte dabei vor allem, ob es gefährlich dort ist und welche Stellung die Frauen eigentlich haben. Bei beiden Fragen wurde ich beruhigt. Tunesien ist ein politisch stabiles Land und die Frauen laufen zum größten Teil nicht mehr verschleiert rum. Sie haben die gleichen Rechte wie Männer. Ich war beruhigt und machte mir nun keine weiteren Sorgen.

30.07.2004
Ich war so was von aufgeregt. Mein erster Flug und dann noch nach Afrika. Ich muss dazu sagen, dass ich ein riesiger Fan von Afrika bin. Fasziniert von den Menschen, der Natur und der Kultur. Wir flogen von Nürnberg mit Novelair. Der Start war sehr aufregend für mich. Es ruckelte und zuckelte in dem ganzen Flugzeug. Und schon hoben wir ab. Eh ich mich versah befanden wir uns schon so weit in der Höhe, dass alles aussah wie eine Miniaturwelt. Die Wolken flogen nur so an mir vorbei. Und die Sonne schien durch das kleine Fenster. Die erste Landung nach nur einer halben Stunde Flug in Leipzig. Eine halbe Stunde Aufenthalt. Schnell zu Hause angerufen, dass ich meinen ersten Flug gut überstanden habe und schon ging es weiter. Wieder Starten und wieder die Welt sich verkleinern sehen. Ist schon ein komisches Gefühl plötzlich da zu sein, wo man als kleines Kind immer aufgeregt in die Luft schaut und ganz laut ruft:“ Mutti, schau mal ein Flugzeug“.
Nach ca. 2 Stunden Flug mit einer herrlichen Aussicht auf das Mittelmeer setzten wir zur Landung an. In mir machte sich eine unglaubliche Aufregung breit. Der Kapitän sagte schnell noch die Uhrzeit und die Temperatur durch. Als ich die Ansage der Außentemperatur vernahm war ich ein wenig enttäuscht:29°C. Doch dies änderte nichts an meiner Laune. In wenigen Minuten werde ich da sein, in dem Land, an das ich die letzten 2 Wochen ununterbrochen denken musste. Ich war so neugierig und wollte jetzt so schnell wie möglich landen. Und dann geschah es auch schon. An alles, was nach der Landung geschah erinnere ich mich nur noch wie in einem Film, den man bis zu seiner Lieblingsstelle vorspult. Aussteigen, auschecken, Koffer holen und ab in die Flughafenhalle, in der die ganzen Reiseleiter mit Schildern des jeweiligen Reisebüros dastehen und auf ihren Listen immer die Namen der Hotelgäste abhaken. Wir sollten am Flughafen von unserer Autovermietung erwartet werden und dem Vater von einem Freund von Claudia. Doch weder der eine noch der andere waren da. Wir platzierten uns auf unseren Kofferträgern mitten in dieser Halle, die wir nun liebevoll „Wartehalle“ nannten. Claudia telefonierte schon wieder wild mit irgendwem. Ich glaube sie wollte die Autovermietung erreichen und fragen wo sie denn mit unserem Auto seien. Leider war das Netz in Tunesien wieder einmal völlig überlastet und so war es nicht möglich bis zu der Autovermietung durchzudringen. Ein Mann mit schickem Cowboyhut sah anscheinend unseren hilflosen Blick und kam mit einem jüngeren Mann auf uns zu. Er konnte etwas deutsch und so erklärte Claudia ihm gleich unser Problem. Während der Mann mit Cowboyhut auf uns einredete, Claudia zu telefonieren versuchte, kam endlich Anis Vater und wollte uns sogleich abholen. Das Chaos war perfekt. Wir konnten Anis Vater nicht einmal das Problem erklären, da dieser nur Französisch und halt Arabisch sprechen konnte. Er war aber trotzdem sehr freundlich und wollten uns gleich auf einen Kaffee einladen, leider war uns nach allem nur nicht nach Kaffee zu mute. Wir wollten endlich unser Auto von der Autovermietung. Claudias Verzweiflung stieg, als sie endlich zu der Autovermietung durchdrangen und der Cowboy die „Verhandlungen“ übernahm. Die „Anouar – Rent – A – Car -Autovermietung Tunis“ hat behauptet, dass sie heute schon da gewesen seien und wir nicht da waren. Panik stieg auf. Nach und nach leerte sich die Wartehalle und wir kamen uns echt wie bestellt und nicht abgeholt vor. In ihrer Verzweiflung rief Claudia einen Gouverneur an. Schnell wurden ihm die wichtigsten Fakten unserer miserablen Situation erklärt und er versprach sich umgehend um dieses Problem zu kümmern. Wieder warten in der Wartehalle. Nach ca. 20 Minuten rief Moktar an und teilte uns mit, dass das Auto heute noch vor unserer Tür stehen wird. Im Ungewissen verlassen wir die Wartehalle und hieven das gesamte Gepäck auf das Taxi von Anis Vater . Ja, in Tunesien ist alles möglich. Mehrere Koffer, um genau zu sagen alle Koffer die wir hatten (8 ohne Handgepäck) wurden einfach auf das Dach geschmissen und mit einem Schnürsenkelähnlichen Band befestigt. Wie das ganze die Fahrt gehalten hat, das weiß keiner so recht. Erik hatte den Mut zu Mohammed, so heißt Anis Vater, zu steigen. Claudia, Sandy und ich aber setzten uns in ein anderes Taxi. Schwerlich konnten wir dem Taxifahrer erklären, wo wir hinwollten und das wir vor dem gelben Peugeot fahren müssten. Doch auch dies klappte irgendwann. In dem Taxi sah es sehr angenehm aus. Auf dem Cockpit lag ein Teppich und an dem Spiegel hing die Fatimahand. Jetzt konnte ja nichts mehr schief gehen, dachte ich. Ordnungsgemäß war mein erster Griff in dem Auto der Griff zu dem Sicherheitsgurt. In diesem Moment lacht Claudia laut los. „ Wenn du dich jetzt anschnallst, lachen dich alle aus.“ In Tunesien ist es nämlich so eine Sache mit dem Straßenverkehr und allem, was damit zutun hat. Die Grundregel lautet: Vergiss die Regeln und fahr immer direkt (geradeaus). Das markanteste Merkmal am Tunesischen Straßenverkehr ist der Kreisverkehr. Ganz Tunesien besteht aus Kreisverkehren. Wenn man den „Dreh“ raushat, kann man prima in Tunesien rumfahren, aber ich bin fest davon überzeugt, dass dies nicht so leicht ist. Du bist gerade mitten auf einer Hauptstraße und willst gerade schneller fahren, da kommt quer über die Straße ein Eselkarren gefahren. Der Eselkarren und sein Fahrer haben sich natürlich noch nicht genau entschieden wo sie eigentlich hinwollen. Hauptsache sie stehen erst mal mitten auf der Straße. Aber auch dafür gibt es in Tunesien eine gute Lösung: HUPEN. Das sollte sich jeder Tunesienreisende gleich merken. Immer hupen. Da liegt man niemals falsch. Ach und noch eins zum Straßenverkehr: In Tunesien gibt es eine kleine Abweichung zu Europa was Schrammen, Kratzer und Beulen am Auto betrifft. Sie gehören einfach dazu, sie sind KEIN PROBLEM. Wenn man allerdings einen Passanten anfährt, so ist Dies das allerschlimmste, was man machen kann. In einem solchen Fall sollte man seine Ausreisepapiere bei der Hand haben. Genug von meinen ersten Eindrücken vom Autoverkehr in Tunesien.

Wir fuhren ziemlich lange mit dem Taxi durch die Gegend, ehe wir das Haus Daboussi fanden. Glücklich und erleichtert stiegen wir aus. Jetzt, in diesem kurzen Augenblick der Ruhe, es waren vielleicht gerade einmal 5 Sekunden, spürte ich das Land. Ich atmete die Luft und fühlte die Sonne auf meiner Haut. Meine Füße waren dunkel gefärbt von dem Sandstaub, in dem wir standen. Ich erwachte aus diesem kurzen Gefühl, des Stillstandes erst, als ich eine Männerstimme vernahm, die gerade die Runde machte, um uns zu begrüßen. Das war auch eine sehr lustige Angelegenheit. Wie hat mein Freund das doch gleich so schön gesagt? „Du kommst in ein fremdes Land und erwartest fremde Menschen mit einer anderen Kultur und die erste richtige Begegnung mit einem Einheimischen beginnt mit: Grüß Gott.“ Wir waren alle sehr erstaunt und mussten lachen. Malek, unser Vermieter ist ein Tunesier, der aber schon seit über 20 Jahren mit seiner Familie (eine deutsche Frau) in Österreich lebt. Gemeinsam mit seiner Frau Angela haben sie die Häuser (3 Stück) erbaut. Hier wohnen sie im Sommer immer für ein paar Wochen. Die Eltern von Malek leben hier aber immer. Die Geschwister kümmern sich immer um die Vermietung der Ferienwohnungen. So ist die ganze Familie ein richtiges Team, auch wenn ein großer Teil in Österreich lebt. Der jüngste Bruder von Malek, Mounir, wird auch in den nächsten zwei Wochen heiraten, dann bekommt er sein eigenes Haus mit seiner Frau. Mounira, die Schwester von Malek studiert in Tunis Deutsch. Sie kümmert sich um die Familie und die Hausarbeiten, während sie Semesterferien hat.
Mein erster Tag in Tunesien war sehr aufregend. Ich habe noch nicht viel vom Land gesehen und doch wusste ich schon in den ersten Minuten, dass mich viel erwartet. Ich war begeistert von unserer Wohnung. Alles sah so perfekt aus, wie in einem richtigen kleinen Palast und doch konnte man diesen Palast nie wirklich genießen. Wo man auch hinsah, kennzeichnete Armut das Leben. Der Müll wurde einfach auf die Straße oder den großen Platz vor dem Haus geworfen. Mülltrennung sei ein riesiges Problem, versicherte uns Malek. Es gibt keine Gelder für Abfalltransporte und auch keine Gelder für Recycling. Hunde laufen in der gesamten Umgebung unseres Wohnhauses streunend durch die Straßen. Schafe und Ziegen versammelten sich da, wo gerade frische Abfälle herumlagen. Weit und breit gab es keine Grünfläche zu sehen. Im ersten Moment erschreckten mich diese Bilder sehr. Ich habe alles, sogar in Tunesien fehlte es mir an nichts. Und doch gab es genau neben mir diese Armut. Doch als ich genau hinsah, bemerkte ich eines. Diese Menschen sind zum Teil viel reicher, als wir Europäer es jemals sein können. Sie haben etwas, was wir nur dann bekommen, wenn wir uns richtig anstrengen. Wenn wir unser Streben nach Geld und Macht und Status ablegen und wieder mehr für einander da sind, ja, ich glaube dann könnten wir diesen Reichtum auch besitzen. Die Menschen leben mit ihren Familien. Sie lieben ihre Familie so sehr. Nichts und niemand kann dösen Bund zerstören oder beschädigen. Sie leben aufgeschlossen und freundlich, ohne Vorurteile gegenüber Fremden. Sie haben sich ihre Kultur und ihre Tradition bewahrt. Bei ihnen zählen die Worte noch viel. Sicher gibt es immer solche und solche. In jedem Land der Erde werden wir das finden. Aber das Leben zu lieben und es zu genießen, mit dem was man hat, ist die Kunst, die wir alle ,wenn auch nur für einen Bruchteil unseres Lebens, erlernen sollten, um sie an andere Menschen weiterzugeben, um eine bessere Welt zu schaffen.

Autor: Claudia Poser-Ben Kahla

GESCHICHTEN II AUS DER SAHARA

17 Tage Wüstenleben
Gehen, sitzen, liegen, sitzen, liegen, gehen, liegen, sitzen Wieder einmal auf einem Stuhl sitzen, an einem Tisch schreiben, wieder einmal in einem begrenzten Raum sein, der vor Wind und Sand schützt. Der Preis dafür, die Begegnung mit der Unendlichkeit, die Begegnung mit einer andern Wirklichkeit, die Begegnung mit dem Universum.

Quizfrage
Haben Dromedare Schneidezähne im Oberkiefer? Haben unsere Wiederkäuer Schneidezähne? Dromedare haben keine. Die harten Gräser und stacheligen Buschspitzen, die ihre tägliche Nahrung bilden, werden abgerissen, runtergeschluckt und Stunden später mit den Backenzähnen nochmals gekaut. Vergewissere dich im Internet, ob das stimmt, was ich hier schreibe, Allah hat doch sicher nicht vergessen, diesem erhabenen, an so karge Lebensbedingungen angepassten Tier, Schneidezähne zu geben?
Das Essen
Mohamed unser Führer und Koch, bereitet jeden Mittag und jeden Abend mit grosser Sorgfalt unser Essen zu. Er geht zu den Säcken und Körben und holt 2 Kartoffeln, 3 Rüebli, ½Kabiskopf, 2 Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch, wäscht und rüstet das Gemüse und schneidet alles in die richtige Grösse. Würzt mit Harissa, dem Scharfmacher, mit Salz und schwarzem Pfeffer und 2El Tomaten-püree. Alles zusammen wird nun in Wasser auf starkem Feuer gekocht und zum gegebenen Zeitpunkt wird vorgekochter Reis oder Makkaroni hinzugefügt, Couscous wird separat zubereitet , ab und zu sind auch Linsen oder Kichererbsen dabei. Nach mehrmaligem Versuchen, ob gar, ob richtig gewürzt, wird alles in die Metallschale angerichtet, auf eine kleine Kiste gestellt 4 Esslöffel und Papierservietten verteilt und das Essen beginnt. Bis zum letzten Mahl hat mir ein jedes wunderbar geschmeckt. Eine besondere Erwähnung gilt noch der Spaghettisuppe, diese ist ohne Kartoffeln und Kohl zubereitet. Lustig aber ist wie Mohamed in 5minütiger Handarbeit die Spaghetti zerkleinert und sie dann in Suppe gibt.

Der südlichste Punkt
Langsam kommen wir dem südlichster Punkt unserer Reise näher. Die weisse Dünenlandschaft ist atemberaubend schön, die weissen Wölkchen auf dem reinen Blau des Himmels, einfach zauberhaft. Auch die Wasserlandschaft inmitten des weiten Beckens, umgeben von wenigen Bäumen und vielen Sträuchern, ist ungewohnt und beeindruckend. Wir suchen einen geeigneten Platz für uns und die Tiere und waten mal durch das lauwarme Wasser, während Mohamed und Belgasim das Essen vorbereiten. Aus der Nähe betrachtet ist alles nicht mehr so idyllisch, zu viele Menschen haben hier ihre Spuren hinterlassen, dazu kommt, dass der Wind zunimmt und die Wolken den Himmel in kürzester Zeit zumachen. Unsere Stimmung sinkt.

Da machen wir eine 6-tägige Reise zum See in der Wüste und kaum sind wir dort, reden wir von weiterziehen, wollen zurück in die Welt der kleinen Bassins, wo wir uns geborgen fühlen, wo wir einen heimeligen Schlafplatz finden. Aber ein Bad in der Thermalquelle muss sein, trotz Wind und verdecktem Himmel. So nehmen Gina und ich Handtuch, frische Wäsche, Shampoo und auf geht’s zu einem runden etwa 4m breiten Loch, in dessen Mitte ein Rohr steckt aus dem Wasser sprudelt. Kein Mensch ist zu sehen, also können wir es wagen. Wir legen unsere Kleider ab, beschweren diese mit Steinen und hüpfen ins Wasser. Baden inmitten einer Dünenlandschaft, warmes Wasser bei diesem kalten Wind, sich mal vom Sand befreien, ah war das eine Wohltat. Wir lassen uns besprudeln und kreischen und lachen wie die Gofen und vergessen ist alles was auf unsere Stimmung drückte. Ein herannahender Beduine mit Kamel hat uns dann veranlasst, den Jungbrunnen zu verlassen. Ein Gaudi erster Güte.

Autor: Magdalena Burger - Gina Maeder

Der Wüstenwind - Hände waschen

Hände waschen
Wie wäscht man die vom Datteln essen klebrigen Hände?
Man nimmt eine Hand voll Sand reibt diesen kräftig zwischen Händen und Fingern und „trocknet“ sie anschliessend an einer Wolldecke oder einem andern nicht mehr ganz saubern Kleidungsstück ab.

Der Wüstenwind
Seit Tagen fegt der Wind über die hohen Dünen in die Bassin, bringt Bewegung, schafft neue Formen, bringt Verunsicherung. Der Wind kommt aus dem Süden, die Wüste dehnt sich aus.
Ich liege am Fuss einer Tamariske, sie hat vor kurzem zu spriessen begonnen. Der Wind heult durch ihr kleine Krone. Mein Gesicht wird schon wieder sandgestrahlt. Wenn ich hier liegen bleibe, bin ich wohl in kurzer Zeit selbst zur Düne geworden, zu verschmelzen mit diesen weichen Linien, ein schöner Gedanke.

Die Geschichte mit der Maus
Es ist 8 Uhr, längst haben wir gespeist, ein schmackhaftes Gericht aus Makkaroni und Gemüse mit Harissa dem Scharfmacher und Feta zum Verfeinern. Mohamed kocht sehr gut. Zum Dessert, ich trau mich fast nicht es zu schreiben, essen wir Sprünglis Trüffe-Cake, Mohameds Geburtstagtorte. Vor uns das ausgehende Feuer, über uns der Sternenhimmel mit untergehender Mondsichel und ausser unserem Geplauder und Lachen Stille.
Da plötzlich taucht eine hungrige Maus, der wohl so manch unbekannter Geruch in die Nase sticht, auf. Ein hellbraunes, reizendes Tierchen . Es huscht mit unglaublicher Wendigkeit hierhin und dorthin und wird immer mutiger. Mohamed legt ihm einige Köstlichkeiten hin und wir schauen aus nächster Nähe zu, wie Häppchen um Häppchen weggetragen und in Sicherheit gebracht wird. Ein Festmahl, wie es wohl nur einmal im Leben einer Wüstenmaus geschieht.

Autor: Gina Maeder

Die verlorene Tasche

Kurz nach der Thermalquelle, fanden wir eine Nomadentasche mit allem was so eine Tasche enthält: kleine verbeulte Teekanne, Grüntee, Zucker, ein Glas, ein Löffel, Couscous und eine kleine Flöte. Diese Tasche gehört sicher dem einsamen Nomaden, der mit uns Tee getrunken hat und mit seinem Kamel wohl schon über alle Dünen ist, ohne zu merken, dass er heute ohne Tee wird einschlafen müssen. Wir nehmen sie jedenfalls mit und am nächsten Morgen gerade als wir aufbrechen, kommt er daher und ist glücklich, dass er nicht noch weiter zurück muss. Wir legen den Weg bis zu seinem Gepäck gemeinsam zurück. Die Unschuld, die aus seinem Gesicht strahlt, berührt tief. Gina fragt, ob sie ihn fotografieren dürfe, er schüttelt den Kopf .Ob er wohl Angst hat, seine reine Seele könnte Schaden nehmen? Angekommen bei seinem Schlafplatz essen wir noch gemeinsam Orangen und Datteln und er greift kräftig zu. Seine Vorräte sind wohl ziemlich aufgebraucht. Er hat seine Schwester besucht, die vor einem Jahr geheiratet und nun weit im Süden, an der algerischen Grenze lebt. Nun kehrt er zu seinen Eltern zurück, um zu berichten, wie es der Tochter geht. In einem Jahr wird er sie wieder besuchen.

Autor: Magdalena Burger - Wüstentouren mit Gina Maeder

Abendteuer zu Pferde

Eine Reisegruppe, bestehend aus drei Pferden und zwei Reitern, startete in Tunis eine afrikanische Rundreise, die ihresgleichen sucht. Sie sind gegenwärtig auf einer Pferdeexpedition vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt Afrikas. So sollen 13 Länder des afrikanischen Westens zu durchqueren. Tunesien, Libyen, Ägypten, Sudan, Äthiopien, Kenia, Tansania, Zambia, Malawi, Mozambique, Swaziland, Lesotho, und schließlich Süd-Afrika. Ca. 15.000 Kilometer sind für den Hufschmied William Brenchley und seine Frau Christine zurück zu legen um ihr Ziel Kapstadt zu erreichen.

Im Erfolgsfall wird sich die Stellung der tunesischen Berberpferde, auf denen das Paar unterwegs ist, Bezug nehmend auf den internationalen Markt, deutlich verbessern. Bei den Pferden handelt es sich um Chami, das achtjährige, wunderschöne Pferd mit großem Charakter und sicher im Gelände, ist ein typisches Bartfohlen. Ennahali, der kleines bisschen wie ungehorsamer Teenager ist, aber es liebt Aufmerksamkeit zu bekommen und ist sehr liebevoll. Weiter gehört dazu schließlich Rahaal, ein achtjähriges libysches mischgezüchtetes Pony. Direktor Dr. Anas Annabi ermöglichte den beiden Reisenden vor Beginn der Expedition schon einige Wochen Aufenthalt mit den Tieren zur Eingewöhnung. William und Christine erhalten durch das Reisen zur Pferd die Möglichkeit in engen Kontakt mit der Bevölkerung zu treten, offene Türen, Einladungen zum Tee und zum Essen sind dabei keine Seltenheit. Unterhaltungen mit neugierigen Hirten helfen den beiden gute Weideplätze für die Pferde und den besten reitbaren Weg durch Tunesien zu finden. Die Pferde laufen bei der Expedition sozusagen “Barfuss“, da sie nicht wie gewöhnlich mit Metallhufen beschlagen sind und so ist es für die Tiere nicht immer leicht den Huf auf den harten Boden zwischen den groben, scharfen Steinen zu setzen. Die Erwartungen der beiden waren sehr hoch, denn nie zuvor waren sie in der Sahara und umso gespannter auf die Sanddünen, Palmen und Oasen. Ein mit Diamanten übersäter Nachthimmel und die am Horizont streichenden Sonnenuntergänge mit vibrierenden Farben, ließen die Hoffnungen nicht unerfüllt. Die Reise bis zur tunesisch-libyschen Grenze in Ras Jedir dauerte 25 Tage an. Danach ging es weiter durch die Wüste Libyens. Eine Verletzung und die große Hitze von 45°C führten zum großen Wasserverlust beim Pferd Chami, so das seine Temperatur, eingewickelt in Sackleinen und mit Wasser durchtränkt, gesenkt werden musste. Nach zwei Tagen Ruhe und Behandlung mit Elektrolyten und entzündungshemmenden Schmerzmitteln konnte der Berber ohne Reiter und Last weiter gehen. In seiner Heimat sagt man von ihm: Er erträgt den Hunger, er erträgt den Durst und er wird niemals müde. Der zweite Berber Ennahali hatte nun die Verantwortung zu tragen. Einer ritt, der andere ging. Fünfzehn Kilometer morgens – Fünfzehn Kilometer abends. Geruht wurde Mittags unter den leeren Futtersäcken zum Schutz vor der Sonne. Der Wind war ein Segen, obwohl er oft zum Sandsturm überging. Der Wasserverbrauch musste trotz Begleitfahrzeug auf Trinkwasser für Tier und Mensch beschränkt werden. Etwas übel riechend, gegerbt und müde, kamen Reiter und Pferde 19 Tage später im libyschen Tobruk an. Inzwischen sind die Reisenden auf den Pferderücken im Sudan angekommen, nach zurück gelegten 5.150 Kilometern.

Die Route in Tunesien:
Start: Cap Blanc ( Bizerte ) / 39 km –Menzel Bourguiba / 20 km – Meteur / 20 km – Tebourba / 16 km – El Battan / 40 km – Bir Mcherga / 45 km – Souef / 38 km – El Alem / 40 km – Raccada / 25 km – Bou Hajla / 33 km - Cherarda / 38 km – Bir Ali / 44 km – Sidi Mohamed / 48 km – Akarit / 26 km – Gabes / 28 km – Zarkin / 08 km – Mareth / 38 km – Mednine / 45 km – Nefetia / 45 km – Ben Gardane / 33 km – Ras Ajdir / Total = 669 Kilometer

Autor: Claudia Poser-Ben Kahla

Die fünfte Jahreszeit à la tunisienne

Die fünfte Jahreszeit à la tunisienne – Was die Tunesierinnen in den Ferien machen
Juli und August sind Monate, welche sich für eine Reise nach Tunesien besonders gut eignen, wenn man Trubel und volle Straßen mag. Wer keine heißen Temperaturen mag, der sollte in diesen beiden Monaten Tunesien den Rücken kehren und lieber zu anderen Zeiten das Land bereisen. Der Ansturm auf Hotels, Strände, Restaurants auf den Souks (Märkten) ist in dieser Zeit am größten. Einheimische machen Ferien, diese beginnen am 15. Juni und enden am 15. September. In dieser Zeit findet keinerlei Schulunterricht statt. An den meisten Tagen schläft man sehr lang, Mittagessen gibt es immer, so zirka 13 Uhr. Ab dem 01. Juli arbeitet man in den tunesischen Behörden, Banken und öffentlichen Einrichtungen nur noch eine Schicht (Séance unique), diese beginnt oft sehr früh morgens ca. 7:00 Uhr und endet gegen 14:00 Uhr. Diese Zeit nennt man in Tunesien der offizielle Hochsommer. Für die Dauer von zwei Monaten, bis einschließlich 31. August eines jeden Jahres, ticken die Uhren anders als sonst. Alles passiert langsamer, ruhiger und gelassener. Die starke Hitze spürt man überall. Zwischen 14 Uhr und 17 Uhr ruht das öffentliche Leben fast vollständig, es wird Siesta gehalten. Störe man jemanden bei der Siesta, kann dies auch nicht zu selten mit nicht so netten Worten enden. Fast alle Einheimischen ziehen sich in die kühlen Häuser zurück und schlafen oder schauen Fern. Die Straßen sind wie ausgestorben. Wer keine Siesta hält, liegt im Meer und gönnt sich die Meeresluft und spielt mit den Kindern am Strand. Spätestens ab 17:00 Uhr wenn die Sonne nicht mehr zu heiß brennt, gehen viele Familie an den Strand oder die Männer sitzen im Kaffee und rauchen genüsslich eine Shisha (Wasserpfeife). Einen leeren Stuhl sieht man in diesen Cafés nie um diese Zeit und Frauen natürlich auch nicht. Es wird erzählt, geraucht, Kaffee getrunken und Karten gespielt und oft vergisst man die Zeit und sie sitzen viele Stunden da. Einst fuhr ich durch Gafsa zu dieser Zeit und keine Menschenseele war auf der Straße zu sehen, ich fragte mich, was wohl hier los war, bis mir dann ein Tunesier erzählte, es ist viel zu heiß draußen, man hält den heißen Wind nicht aus. Ich teste es, stieg aus meinem klimatisierten Auto und dachte oh je, der heiße Wüstenwind brannte im Gesicht, lange konnte man nicht im freien stehen und verstand was man mir berichtete. Die tunesischen Familie welche sich es leisten können, fahren in der Hauptzeit aus den Großstädten in die Sahel Region (Meersregion) um dort Ihren Urlaub zu verbringen. Die Straßen füllen sich meist Freitags und Sonntags wird die Heimreise angetreten. Voll gepackte Autos, mit allem was man sich vorstellen kann, Zelte, Stühle, Decken, Kochgeschirr alles wird mit an den Strand genommen und so verbringt man das ganze Wochenende direkt am Strand. Die touristischen Städte, Mahdia, Sousse, Hammamet, Monastir und Gammarth sowie La Marsa sind voll, auf den Straßen geht nichts mehr, Parkplätze findet man so gut wie keinen. Strandplätze, da heißt es wer zu erst kommt, der bekommt auch einen Platz. Ab Mittag ist dort kein Fleckchen mehr frei. Ein Mann steht am Straßenrand, ein Pappschild in der Hand, darauf steht, Haus zu vermieten oder Ferienwohnungen zu vermieten, so vermietet sich es leicht und schnell, denn auch aus Algerien und Libyen kommen die Menschen um in Tunesien Urlaub zu machen, sie zahlen oft das doppelte als ein Tunesier zahlen kann. So werden auch Ferienwohnungen und Hotelzimmer in dieser Zeit recht teuer angeboten. Wobei aus den großen Industriestädten Sfax die Familien gern in diese Regionen kommen, um Urlaub zu machen und leisten sich dann auch diese Hotels. Oft bleiben unter der Woche nur die Familienväter in den ziemlich verödeten Städten zurück. In den von Tunesiern frequentierten Badeorten dagegen sind Strandpromenaden, Restaurants und Cafés mit tunesischen Familien in Urlaubsstimmung überfüllt. Service in den Touristenzentren wird auch in diesen zwei Monaten groß geschrieben und ist nicht betroffen. Viele Tunesier und Tunesierinnen welche im Ausland leben, zieht es in der fünften Jahreszeit nach Tunesien zu ihren Familien zurück. Die Traditionen und das offene Leben findet man selten in europäischen Ländern. Viele junge Tunesierinnen scheuen sich nicht mehr vor Discobesuchen, die Diskotheken sind voll und es wird zu heißen Rhythmen sehr freizügig getanzt. Ein Wandel bemerkt man sehr deutlich in der tunesischen jungen Gesellschaft. Festivals werden an den Abenden besucht, wenn man nahezu jedes Provinzstädtchen zählt, kommt man im ganzen Land auf über einhundertsiebzig Festivals in dieser Zeit. An Schule und Arbeit denkt in dieser Zeit kaum jemand. Party, Feiern, Hochzeiten, Essen und Ausgehen stehen an Nummer eins. In dieser warmen Jahreszeit vergeht kein Wochenende ohne das in der Familie, Verwandtschaft oder im Dorf eine Hochzeit gefeiert wird. Eine Eheschließung nimmt einen hohen Stellenwert ein. Für ein Zusammenleben eines Paares, ist es ein Muss die Ehe zu schließen, denn ohne Trauschein gilt dies als sittenwidrig. Gleich zu den Hochzeiten, werden in dieser Zeit auch viele Jungen beschnitten (hitân). Mit der Beschneidung verbindet sich meistens ein großes Fest, das oft so aufwändig wie eine Hochzeit gefeiert wird. Für die Jungen ist dies ein großer Tag, an dem sie wie kleine Prinzen gekleidet und durch Süßigkeiten Geschenke über den erlittenen Schmerz hinweggetröstet werden. Oft sieht man diese kleinen Jungen auch am Strand, Meerwasser heilt Wunden.

Autor: Claudia Poser-Ben Kahla

Mein Lieblingsort in Tunesien

Eigentlich habe ich mehrere Lieblingsorte in Tunesien. Doch nur nach Hammamet hat es mich schon achtmal verschlagen. Es war der erste Ort den ich in Tunesien kennen lernte, da war ich gerade mal elf Jahre. Mittlerweile bin ich fünfundzwanzig und es zieht mich immer wieder nach Hammamet zurück. Die traumhafte Kasbah von der man einen phantastischen Ausblick hat, die endlosen Sandstrände, die verwinkelten Gassen der Medina und vieles mehr, ziehen mich immer wieder in ihren Bann. Mein erster Besuch liegt dreizehn Jahre zurück und es hat sich viel verändert in dieser Zeit. Damals gab es Hammamet - Yasmine noch nicht, kein All Inklusiv und nicht diesen ausgeprägten Massentourismus. Die Menschen waren herzlich und aufgeschlossen uns Touristen gegenüber und überall ertönte ein „Hallo wie geht’s?“ In den Hotels wurde man wie ein König behandelt. Man wollte, dass der Gast zufrieden ist und wiederkommt. Abends gingen wir viel spazieren oder fuhren in die Stadt. Ein beliebtes Ziel war für uns das Fabiland, ein kleiner Freizeitpark in Hammamet - Süd. Tunesier und Touristen vergnügten sich dort abends und dort gab es die beste Pizza von ganz Hammamet. Das beliebte Eiscafé Canari haben wir damals schon entdeckt und sind seitdem Stammgäste. Auch die turbulenten Taxifahrten waren jedes Mal ein Abenteuer. Oft erfuhren wir Kleinigkeiten aus dem Leben der Tunesier vom Taxifahrer und so lernte man auch das Land kennen. Wir liebten unser Hammamet, aber sahen damals schon die Veränderungen die irgendwann eintreten sollten. Man begann den Bau von Hammamet - Yasmine. Riesige Hotels, ein Yachthafen, ein neuer Freizeitpark und eine künstlich angelegte Medina sollten entstehen. Man plante eine Tourismusmeile von Hammamet bis Monastir. Sechs Jahre vergingen in denen wir nicht da waren. Im Kopf hatte man immer sein geliebtes Hammamet und wünschte sich sehnlich dieses wieder zurück. Doch sechs Jahre sind eine lange Zeit und Hammamet war nicht mehr das traumhafte kleine Örtchen das wir in Erinnerung hatten. Mittlerweile hat All Inclusive auch in Tunesien Einzug gefeiert. Die Folgen die daraus resultierten konnte man überall erkennen. Ein Café nach dem anderen schloss. Die älteren Hotels mussten mitziehen, obwohl sie gar nicht in der Lage waren diesen Service zu bieten.
Dazu kam natürlich noch die allmähliche Öffnung von Yasmine. Viele Touristen buchten die neuen Hotels und nach und nach schlossen die älteren, da sie sich die Leerstände nicht mehr finanzieren ließen. Doch nicht nur wir erkannten diese Situation. Viele Tunesier mit denen wir sprachen, klagten über die zurück gehenden Umsätze und die fehlenden Trinkgelder. Für die wirtschaftliche Lage war und ist All Inklusive ein Desaster. Die meisten Touristen verließen die Hotels gar nicht mehr, denn sie hatten ja schließlich „AI“ gebucht. Essen und Getränke rund um die Uhr frei. Warum dann noch außerhalb essen? So lernten die Urlauber kaum noch Tunesien und deren Einheimische kennen. Von der Medina bis nach Hammamet-Süd sieht man Hotel-Ruinen das Hotel Continental oder der Club Tanit. Keiner interessiert sich mehr dafür und sie gammeln vor sich hin. Auch das Fabiland ist geschlossen und wartet auf seinen möglichen Abriss. Die Mentalität der Tunesier in Hammamet hat sich geändert. Während die Herzlichkeit früher von Herzen kam, ist sie jetzt meist nur noch aufgesetzt. Das Handeln oder das Ansprechen wurde aggressiver und viel aufdringlicher. Ist das positiv für dieses wunderbare kulturreiche Land? Ich liebe Hammamet noch genauso wie früher, ziehe aber mittlerweile aufgrund der negativen Veränderung, ruhigere Orte vor, in denen der Tourismus noch nicht so fortgeschritten ist.

Autor: Susan Bachmann & Claudia Poser

Unterwegs in Tunesien

Im Land der 1001Geschichten und Träume bin ich seit über 16 Jahren unterwegs. Zwischen Orient und Okzident begegnet man Tunesien als ein modernes Urlaubsland. In 2,5 Flugstunden landet man auf dem Festland, des am östlichsten liegenden Landes, welches mit 163.610 qkm das kleinsten der drei Maghreb Länder ist. Kilometerweite feine Sandstrände, Wüstenlandschaften mit der Sahara, grüne Oasen, Gebirge, Weinanbaugebiete, europäische und arabische Kulturen und die vielseitige Geschichte, prägen dieses kleine Land, welches für jeden Urlaubstyp etwas zu bieten hat. Landschaftlich ist Tunesien sehr abwechslungsreich, mit Wäldern im inneren des Landes sowie fruchtbaren Tälern und Wüsten und Klippen an den Küsten des Nordens, steile Berge und salzige Seen, die unter dem Meeresspiegel liegen. Niedriger sind allerdings die Berge des Atlas Gebirges und diese laufen nach Osten zur Küste hin in Hügellandschaften aus. Zahlreiche kleine Inseln, Kerkennah im Osten und Djerba im Süden, liegen vor der über 1100 km langen Küste, welche flach abfallend und feinsandig für jede Familie besonders mit Kindern geeignet ist. Pinienwälder, mit saftigem Weideland, Ostanbaugebieten und Olivenhaine erstrecken sich vom Nordwesten bis zum Südosten. Reisen Sie durchs Land, werden sie schnell feststellen, immer auf offene und herzliche Landleute zu stoßen. Ein Bummel durch die schönen Medinas (Altstadt) der Städte Monastir, Sousse, Tunis oder auch Tabarka im Norden, laden ein zum feilschen und handeln. In so gut wie jeder Küstenstadt ist der Besuch eines Fischereihafens ein muss, früher war das fischen immer mit guten Fangerfolgen versehen, heute bemerkt man das die Weltmeere überfischt sind und auch in Tunesien viele Familien sich nur noch mühsam vom Fischfang ernähren können. Souks (Märkte) findet man auch in allen tunesischen Städten und dort herrscht reges Treiben. Der Ribat (arabische Festung) von Sousse zählt mit zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten Tunesiens, welcher in Quadratform erbaut wurde. Der militärische und religiöse Charakter des Ribats drückt sich auch in der Architektur aus. Der in seiner Originalform am besten erhaltene Ribat ist dieser in Sousse er stammt aus der Zeit der Aghlabiden und hatte im Obergeschoss eine Moschee mit Wohneinheiten und einem Wehrturm, während im Erdgeschoss Lagerräume um den weiten Innenhof angeordnet waren. Der erste Ribat in Nordafrika wurde gegen Ende des 8. Jahrhundert in Monastir gebaut. Dadurch war der Aufenthalt besonders verdienstvoll: „Monastir ist eines der Tore des Himmelreichs“ so in einem Spruch welcher auf den Propheten Mohammed zurück geführt wird. Heute dienen diese Ribats in den Städten als Museen und Kulturstätten, wo in den Sommermonaten auch Festivals stattfinden. Port el Kantaoui war der erste nach modernen technischen Gesichtspunkten ausgerüstete Yachthafen. Auf der einen Seite ist Port El Kantaoui dem offenen Meer zugewandt, auf der anderen Seite finden sich die für diese Gegend typischen Olivenhaine. Cap Monastir ist der Hafen (Marina) in ein Hotelkomplex eingebettet und bietet ca. 380 Liegeplätze. Fahren wir in den Norden entdecken wir die Malerstadt Sidi Bou Said, im Tal liegt der Yachthafen und oben findet man das reizvolle malerische Dorf mit blauweißen Häusern im maurischen Stil erbaut, welches seit Jahrzehnten den weltweiten Ruhm als Inspiration für Künstler erlangte. Sind wir hier angekommen liegt zu Füssen auch „Karthago“ eine aus bunischer, römischer, arabischer und byzantinischer Zeit erbaute Tempelanlage. Reste sind noch heute zu besichtigen, denn hier sieht man Zeugen der vielseitigen Geschichte Tunesiens. Hier befindet sich auch der Palast des Präsidenten, sowie die Villen der Reichen. Die Hauptstadt Tunis selbst, mit seinen türkischen Palästen und einer Vielzahl, aus der Kolonialzeit stammenden, Gebäuden ist nicht weniger interessant. Thuburbo Majus ist eine Ruinenstätte aus der Römerzeit welche ca. 60 km von Tunis entfernt liegt. Auf dem Weg Richtung Sousse sahen wir von der Autobahn aus auf der rechten Seite ein kleines Dorf, das kann nur dieses Berberdorf auf den Felssporn sein, Takrouna wir biegen ab und werden herzlich von einer alten Berberfrau empfangen. Steine verkauft Sie an Touristen, weit und breit kein Mensch zu sehen, es ist heiß, wir wollen dennoch jeden Winkel des alten Berberdorfes anschauen und stiegen die alten Treppen hinauf. Man braucht nicht lange um alles besichtig zu haben, aber ein Blick über die weite Landschaft, ließ uns entschließen weiter nach Zaghouan, dem Ort mit dem römischen Wassertempel zu fahren. Zurück mussten wir auch und entdeckten so die beiden Soldatenfriedhöfe in Enfidha, denn dieser Küstenstrich ist leider geprägt vom Kampf der Axenmächte gegen die Truppen der Alliierten. 1941 – 1943 fanden hier blutige Kämpfe statt wo viele Soldaten fielen und hier ihre Gräber haben. Es läuft einem schaurig den Rücken hinunter, es gehört aber leider zu Tunesien dazu. Tunesien bietet erholsamen, entspannten und interessanten Urlaub und Ausflüge für „Jedermann“.

Autor: Claudia Poser-Ben Kahla

Wo die Uhren langsamer ticken

KINDER DER WÜSTE
Woher sie kommen. Wie Sie leben.

Seit Jahren führe ich zusammen mit Beduinen Reisen in die Wüste durch, in kleinen Gruppen gehen wir zu Fuss oder manchmal auch auf dem Rücken eines Dromedars durch die einzigartige Dünenlandschaft der Sahara, dem Lebensraum der tunesischen Beduinen. In Djerba habe ich Mohamed Ali kennen gelernt, ein Beduine, geboren in der Wüste, der den Traum eines besseren Lebens träumte, einem Leben mit mehr Komfort und der in Djerba arbeitet, um seiner Familie Geld zu bringen, damit es auch ihnen besser geht. Dank seiner italienischen Sprachkenntnisse konnte ich mit ihm reden und ich habe ihn gebeten, mir von seiner Familie, von seinem Stamm, von seinem Leben in der Wüste zu erzählen. „Komm mit mir in die Wüste, dort werde ich dir berichten.“ ich musste etwas überlegen, denn im Monat August ist es mörderisch heiss, schaffe ich das, vertrage ich die Hitze, diese Fragen gingen mir sofort durch den Kopf - und ich entschloss mich und ging mit ihm. Dreihundert Kilometer Autofahrt. Wir kommen gegen Abend in El Faouar an, einem kleinen Dorf am Rande der Wüste. Versehen mit einem Schreibblock und einem Stift, einer Matte, einer Flasche Wasser gehen wir zu Fuss in die Wüste, in einem Backofen ist es kaum heisser, dennoch war ich so neugierig auf die Erzählungen von Mohamed. Wir setzen uns auf eine Dünne und schauten zusammen der Sonne zu, wie Sie langsam den Horizont passiert, in der erhabenen Stille der Wüste. Mohamed Ali beginnt zu erzählen: Wir kommen ursprünglich aus dem Jemen. Vor langer Zeit herrschte dort ein König, der wollte einen Teil seines Volkes loswerden und er schwärmte ihnen etwas vor von Efretia (heutiges Tunesien) einem Land, wo es genug Wasser gab und somit reichhaltige Weideplätze für die Tiere. Und eines Tages machten sich unsere Vorfahren auf den Weg und erkämpften sich das Land, denn sie waren gute und starke Kämpfer. Es gab Familien, die zogen es vor, sich mit ihren Tieren in der Stadt niederzulassen und diese leben auch heute noch dort. Im Frühling ziehen sie jedoch für 3-4 Monate in die Wüste, um ihre Tiere zu weiden. Die meisten Familien aber führten ihr Leben als Nomaden weiter und leben heute noch in Gruppen von 3-5 Familien wie damals. Sie leben in einer totalen Symbiose mit der Natur, denn diese entscheidet über das Überleben der Tiere und somit auch über das eigene Überleben. Sie sind starke, eigenständige Menschen und lehnen jegliche Einmischung von aussen ab. Die Männer mit den älteren Söhnen führen die Tiere von Weideplatz zu Weideplatz und bleiben oft eine Woche von ihren Frauen weg. Jeden Monat geht eine Gruppe von 3 - 4 Männern mit 10 - 15 Dromedaren in die Stadt. Dort wird verhandelt, verkauft und eingekauft, aber auch viel Tee getrunken und dabei das Neueste ausgetauscht. Wolle, Felle, Schafe Ziegen, Dromedare (nur männliche Tiere) werden gegen Getreide, Mehl, Oel, Linsen, Kichererbsen, Couscous, Gewürze und was sie sonst noch benötigen eingetauscht. Nach ein paar Tagen kehren sie voll beladen mit Waren und Neuigkeiten an ihren Stammplatz zurück. Während die Mädchen stets bei ihren Müttern weilen und deren Aufgaben erlernen. Diese sind kochen, Holz sammeln, Wolle waschen, weben, die neugeborenen Tiere hegen, Ziegenhaare für die Zelte sammeln. Zelte weben und diese instand halten ist Sache der Frauen. Die Nomaden im Süden Tunesiens und Algeriens haben das Recht sich in diesem Teil frei zu bewegen. Sie leben ohne Papiere, kennen keine Grenzen und haben ihre eigenen Gesetze, die stark auf den Koran ausgerichtet sind. Die Geschichten und Suren werden von Generation zu Generation weitererzählt. Ihre Kinder gehen nach wie vor in keine Schule. Diese Menschen leben ein äusserst einfaches Leben, sie sind von schlanker zäher Statur, wer die erste Zeit überlebt ist selten krank und wenn doch, so werden Pflanzen zur Hilfe genommen. Sie können Hunger und Durst aushalten, auch die grossen Temperaturunterschiede können ihnen nicht viel anhaben. Sie ernähren sich einfach, essen das, was ihnen zur Verfügung steht, Milch und Fleisch von ihren Tieren, Datteln und dem was sie durch Warentausch erhalten. Leider ist die Lebensart der Beduinen in der Moderne bedroht, insbesondere durch feste Grenzziehungen, staatliche Programme zur Ansiedlung und die zunehmende Wasserknappheit. In einigen Gebieten Tunesiens leben Beduinenfamilien vom Tourismus, denen sie bei Globetrottern und anderen Reiseanbietern durch Ihre Gastfreundschaft ins Leben riefen, so auch die Familie von Mohamed heute. Sie sind zuverlässige und unterhaltsame Führer der Wüstentrips. Dennoch werden diese Einnahmen dieser Beduinenfamilien zunehmend erschwert, da Land verkauft wird, oder Verdrängung internationaler Veranstalter und staatliche Stellen. Man darf auch die arabisch sprechenden Beduinen nicht mit den berbersprachigen Tuareg in Nordafrika verwechseln. Zu den traditionellen Beduinen gehören auch die Bedscha. Respekt und Liebe verbindet Beduinen zu ihren Tieren, welche nur zu seltenen Anlässen geschlachtet werden. Was mir noch auffiel, sie essen nur mit der rechten Hand, die linke gilt als unrein, weil diese zur Reinigung benutzt wird. Selbst die Kleiderordnung ist klar geregelt, Männer und Frauen tragen ihre Kleider und Tücher in traditionell vorgegebenen Farben. Dies alles ausgeschmückt mit vielen Details hat mir Mohamed Ali in jener Nacht unterm Wüstenhimmel erzählt. Vieles davon durfte ich selbst schon kennen lernen und ich möchte ihm und seinen Landsleuten danken, dass sie uns so freizügig teilnehmen lassen an ihrem Leben und vor allem auch für ihre grosszügige und herzliche Gastfreundschaft, die ich schon so oft erleben durfte.

Autor: Gina Maeder & Claudia Poser

     
  WIR

Tourismus, Handel-& Dienstleistungsagentur
Claudia Poser-Ben Kahla und Hichem Ben Kahla
Korbußen 44
07554 Korbußen (Deutschland)
Kontakt

Telefon: +49 (0) 170 - 3220333
E-Mail: [ poser-benkahla@gotunesien.com ]